Ufa eine Runde weiter

Nach dem Champion Kazan scheitert auch Favorit Metallurg Magnitogorsk in der ersten Runde.

Salavat Yulaev Ufa hat alles richtig gemacht. Zur Vorbereitung auf die erste Playoff-Runde durften die besten Spiele eine Woche lang zu ihren Familien. Ausruhen und Kraft sammeln, statt Trainieren und Spielen, lautete die Devise. Dafür rückten Akteure aus der zweiten Mannschaft ins Team, der Tabellenrang und der Gegner waren Ufa egal.

Gegen Metallurg Magnitogorsk waren es nun ausgerechnet die ausgeruhten Star-Spieler, die den Unterschied ausmachten. Während bei Magnitka Sergei Mozyakin ohne Torerfolg blieb, erzielte die finnisch-schwedische erste Sturmreihe von Salavat stolze 22 Scorerpunkte in sechs Spielen. Der entscheidende Treffer gelang Joonas Kemppainen in der Verlängerung der sechsten Partie. Bei Metallurg steht nun ein Umbruch an. Zur Disposition stehen viele Stars der vergangenen Jahre und natürlich Trainer Josef Jandac.

Champion Kazan hat schon Sommerpause

Zwei Serien in der ersten Runde der KHL-Playoffs elektrisieren Fans und Medien in Russland ganz besonders. Das Ausscheiden des amtierenden Champions Ak Bars Kazan und die beiden Niederlagen von SKA St. Petersburg vor heimischem Publikum gegen Spartak Moskau.

Fest steht bereits jetzt: Die erste Playoff-Woche in der KHL bietet deutlich spannendere Partien als vor einem Jahr. Besonders bitter verlief die Serie für den amtierenden Champion. Denn für Ak Bars Kazan ist die Saison seit Sonntagabend beendet.

Gegen Avangard Omsk reichte es in vier Partien zu keinem einzigen Sieg. Kazans größtes Problem in der Serie war neben dem Fehlen vom Stammtorhüter Emil Garipov die Geschwindigkeit. Avangard überrannte den Gegner wie eine Lawine, bezahlte für den Einsatz aber auch einen hohen Preis. Kapitän Evgeni Medwedew fiel verletzt aus, in Spiel vier fehlte zudem Center David Desharnais.

Doch Trainer Bob Hartley fand für jede Aufgabe eine passende Antwort und bereitete sein Team perfekt vor. Matchwinner am Sonntag war Sergei Shumakov, dem ein Hattrick gelang. Dank des Hochgeschwindigkeits-Eishockeys gewann Omsk gegen Kazan zum ersten Mal überhaupt eine Playoff-Serie. Durch die längere Pause bis zur nächsten Runde können zudem die verletzten Spieler regenerieren.

„Für uns lief es von Beginn der Serie an großartig. Die Torhüterleistung, das Überzahl und Unterzahlspiel, es hat einfach alles gepasst. Der Sieg war aber nur der erste Schritt auf dem langen Weg zum Cup“, freute sich Hartley im TV, während die Fans von Kazan im Hintergrund die frühe Sommerpause beweinten. Welche Teams neben Omsk noch Grund zur Freude haben, entscheidet sich in den kommenden Tagen.

Start der KHL-Playoffs: Selten Überraschungen, trotzdem spannend

Seit Anfang der Woche laufen in der KHL die Playoffs. Die spannendste Zeit des Jahres beginnt in der KHL traditionell früh und bietet nur selten Überraschungen. Doch zwei Serien im Osten und eine im Westen lohnen einer genaueren Betrachtung. Hier ist Action garantiert.

Wer sich die Mühe macht, die KHL-Playoffs statistisch auszuwerten und mit anderen Ligen in Europa und der NHL vergleicht, stellt schnell fest, dass die KHL besonders arm an Überraschungen ist. Fast immer gewinnen in der ersten Runde die besser platzierten Teams, häufig sogar ohne eine einzige Partie zu verlieren.

So wird es aller Voraussicht nach auch in dieser Spielzeit laufen, vor allem in der Western Conference: CSKA und SKA werden ihre Aufgaben gegen Vityaz und Spartak wohl locker lösen, auch Jaroslawl sollte sich gegen Sotschi durchsetzen. Wirklich Gift ist vor allem in der Paarung Dynamo Moskau gegen Jokerit Helsinki drin. Als beide Mannschaften am 13. Februar zuletzt aufeinanderprallten, gab es gleich zwei Spieldauerdisziplinarstrafen, viele unsaubere Aktionen und eine Menge offene Rechnungen.

Für Jokerit ist Dynamo so etwas wie ein Angstgegner, die letzten elf Begegnungen gewannen jeweils die Russen. Helsinki wird vor allem mit Härte versuchen, Dynamos kongeniales Sturmduo Vadim Shipachyov und Dmitry Kagarlitsky zu stoppen. Die beiden russischen Nationalstürmer müssen wiederum beweisen, dass sie auch in der Endrunde glänzen können. Am Ende wird wohl die jeweilige Tagesform über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Gleiches gilt für zwei tolle Serien, auf die sich die Fans im Osten freuen können und die beide erst am letzten Spieltag feststanden. Bei Metallurg gegen Salavat trifft die starke Defensive von Magnitogorsk mit viel Erfahrung auf eine gute Offensive von Ufa, der allerdings die Konstanz fehlt. Salavat war der Tabellenrang am Ende sogar so unwichtig, dass sie zur Auswärtsreise in den äußersten Osten Russlands ihre Stars zu Hause ließen und sich mit Nachwuchsakteuren Niederlagen abholten. Ob sich so viel Arroganz am Ende auszahlt, bleibt abzuwarten, auf dem Papier ist Magnitka favorisiert.

Komplett ausgeglichen ist dagegen das Aufeinandertreffen des aktuellen Gagarin Cup Siegers Ak Bars Kazan gegen Avangard Omsk. Bei Kazan haben alle Akteure mehr als einmal bewiesen, dass sie in der Endrunde eine ganze Stufe besser agieren, als im Rest des Jahres. Und Avangard gilt in diesem Jahr ligaweit als Geheimfavorit. „Wir müssen gleich in der ersten Runde gegen den amtierenden Champion antreten, das ist eine große Herausforderung für uns, aber der Weg zum Cup ist immer schwer“, so Omsk Coach Bob Hartley, der nach dem Stanley Cup 2001 und dem Schweizer Meistertitel 2012 nun auch den Gagarin Cup gewinnen will.

Dinamo Riga hofft auf das Happy End

Dinamo Riga gibt nicht auf. Seit Wochen sitzen die Letten auf dem undankbaren neunten Tabellenrang in der Western Conference fest. Nur eine winzige tabellarische Verbesserung bedeutet die Playoff-Teilnahme. Jetzt bleiben noch drei Partien, um den Rückstand aufzuholen und das vorzeitige Saisonende zu verhindern.

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Рига 😍 Riga #WinterIceBreak

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Riga hätte es verdient. Denn Dinamo ist ein internationales Aushängeschild der KHL und produziert Positivmeldungen – wie am vergangenen Freitag. Da lud Dinamo zum zweiten „Winter Ice Break“ unter freiem Himmel und feierte mit rund 10.000 Zuschauern ein großes Eishockeyfest.

Der Sieg gegen den Namensvetter aus Minsk war natürlich das wichtigste in der aktuellen Situation. Doch das Event an sich sowie die vielen Attraktionen rund um das Spiel machten einmal mehr deutlich, wie wichtig der Standort auch für die KHL ist. Selbst aus Kanada waren Fans angereist, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Verteidiger Mathew Maione nahm nach seiner Gesangseinlage beim All Star Game sogar ein Musikvideo mit einer lettischen Rockband auf, das in der Drittelpause Weltpremiere feierte. Insgesamt war es eine ganz besondere Atmosphäre, bedeutend aber war vor allem das Endergebnis von 3:1 für Riga. „Für die Fans war es ein Fest, für uns war der Sieg das allerwichtigste. Wir kämpfen weiter“, erklärte Trainer Girts Ankipans bei der Pressekonferenz nach dem Match.

Besonders interessant war die finanzielle Unterstützung der Stadt Riga bei diesem Event. Der Bürgermeister war zum ersten Bully auf dem Eis, erklärte Eishockey zum Aushängeschild seiner Stadt und bekräftigte damit die Verbundenheit der Letten zur KHL, die angesichts der politischen Lage im Baltikum nicht überall positiv gesehen wird. Vielleicht kann der Sport helfen, die ideologischen Gräben zu überwinden.

In den verbleibenden Partien muss Riga aber nun auf Ausrutscher der Konkurrenz aus Sotschi und Vityaz hoffen, um doch noch auf den Playoff-Zug aufzuspringen. „Unser Team hat vielleicht nicht so viel Talent wie andere Mannschaften, aber im Bereich Kampf und Motivation sind wir überragend. Wir sind daher voller Hoffnung, dass wir es noch schaffen“, zitiert KHL.ru den Vorstandsvorsitzende von Riga Juris Savickis.

Für die gesamte KHL wäre es ein Happy End einer ansonsten eher unspektakulären Hauptrunde 2018/19, die am Freitag endet.

Endspurt in der KHL

Die KHL-Saison 2018/19 befindet sich auf der Zielgeraden. Weniger als zehn Spiele bleiben den meisten der 25 Mannschaften, um die Playoffs doch noch zu erreichen oder ihre Position zu festigen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die letzten offenen Fragen.

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#КубокГагарина 🏆 #GagarinCup

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Direkt vor Saisonbeginn änderte die KHL die Regeln und kehrte zum Zwei-Punkte-System zurück. Hintergrund war der Wunsch, mehr Spannung in die Liga zu bekommen, den Kampf um die Playoffs möglichst lange spannend zu halten und die großen Abstände zu verringern. Beim Blick auf die Tabelle wird schnell klar, dass die Reform gescheitert ist. Denn wie so häufig wurden zwar die Symptome bekämpft, nicht aber die Ursachen angegangen. Denn solange die Voraussetzungen an den Standorten weiterhin so unterschiedlich sind wie in der KHL, wird sich an der Tabelle nicht viel ändern.

Western Conference

So ist es daher keine Überraschung, dass im Westen erneut CSKA Moskau, SKA St. Petersburg, Lokomotive Jaroslawl und Jokerit Helsinki die ersten vier Plätze belegen. Einzig die Frage, ob SKA oder CSKA Erster wird und wer sich von den Verfolgern Rang drei sichert, ist noch offen.

Bereits im Vorjahr starteten die vier Klubs mit Heimspielen in die Endrunde. Es schient fast so, dass der Tabellenrang schon vor Beginn der Saison feststeht – ein Armutszeugnis für die sportliche Konkurrenz. Wenigstens auf den Plätzen dahinter ist zumindest so etwas wie Spannung möglich. Rein rechnerisch machten sich am vergangenen Wochenende noch sieben Teams Hoffnungen auf die verbliebenen vier Tickets. Realistisch betrachtet, sind es jedoch nur fünf Standorte mit Chancen auf die Endrunde.

Wenn man den Spielplan betrachtet, könnte Dinamo Riga am Ende triumphieren. Doch egal, wer am Ende den Einzug schafft: Gegen SKA oder CSKA ist ohnehin in der ersten Runde Schluss. Auch die jüngste Überlegung, die Anzahl der Spiele in Zukunft noch weiter zu erhöhen, wird daran nichts ändern. Dies ist nur möglich, wenn die angedachte Gehaltsobergrenze tatsächlich umgesetzt wird und damit gleiche Voraussetzungen für alle Standorte herrschen.

Eastern Conference

Im Osten ist die Spannung auf dem Papier sogar noch kleiner. Zwar gibt es hier kein komplett abgeschlagenes Team wie Slovan Bratislava, dennoch sind von den acht Endrundenplätzen bereits sechs vergeben. Immerhin ist der tabellarische Abstand zwischen den Mannschaften geringer. Und es wird aller Voraussicht nach einen neuen Hauptrundensieger geben.

Avtomobilist Ekaterinburg hat die neuen finanziellen Möglichkeiten ideal genutzt und den Schwung des starken Saisonbeginns trotz einzelner Schwächephasen behalten. Dahinter kämpfen gleich mehrere Teams um die beste Ausgangsposition und es scheint wahrscheinlich, dass finanzstarke Standorte wie Kazan, Omsk, Ufa und Magnitogorsk bereits in der ersten Playoff-Runde aufeinandertreffen.

Positiv überraschen konnte bislang vor allem Barys Astana. Die Kasachen spielen trotz des Weggangs ihres langjährigen Superstars Nigel Dawes eine starke Spielzeit. Meister Kazan agiert dagegen bisher eher unter den Möglichkeiten, aber Vorsicht: Im Kader von Ak Bars stehen gleich eine Reihe von ausgemachten Endrundenexperten. Mit dem Gagarin-Sieger von 2018 ist also auch in diesem Jahr zu rechnen.

Offiziell endet die KHL-Hauptrunde am 22. Februar. Spektakulär war sie selten. In Erinnerung bleiben daher vor allem die Serien: Severstal stellte einen neuen Klubrekord an Siegen hintereinander auf, Avtomobilist gewann gar 18 Spiele in Folge. Und Sibir kassierte zu Saisonbeginn zwölf Niederlagen am Stück. Jetzt hoffen die Fans auf spannende Playoffs.

Premiere für einen Exoten: Sun Zehao ist der erste chinesische Goalie in der KHL

Wäre seine Geschichte ein Hollywoodfilm, wäre Sun Zehao ein Held, der von seinen Teamkameraden auf Händen getragen wird. Im echten Leben verlief die Premiere des ersten chinesischen Torhüters in der KHL deutlich nüchterner.

Nachdem sein Team Kunlun Red Stars beim Heimspiel gegen Jaroslawl nach dem ersten Drittel bereits mit 0:3 im Rückstand lag, hatte das lange Warten von Sun Zehao ein Ende. Vor 2245 Zuschauern durfte er zum ersten Mal in einem Pflichtspiel aufs Eis – als erster Chinese in der KHL überhaupt.

Offiziell stand er dabei 39 Minuten und 59 Sekunden auf dem Eis und kassierte zwei Tore bei 15 Schüssen. Zu Ende ging sein Debüt mit einer Fangquote von 86,7 Prozent. Für Zehao war es trotzdem ein Sieg. Denn obwohl die Red Stars bereits in ihrer dritten Saison in der Liga spielen, sind Einsätze einheimischer Akteure immer noch eine Rarität. Erst Recht auf der so wichtigen Torhüterposition.

Sun Zehao hat hart dafür gearbeitet, in die Geschichtsbücher einzugehen. Und es war ein mühsamer Weg. Denn eine Eishockeyinfrastruktur sowie professionelle Programme und Trainer sind in China erst jetzt im Entstehen. Der 23-Jährige musste sich in seiner Jugend mit Videos von anderen Torhütern begnügen. Von Beginn an war er auf sich alleine gestellt, Disziplin und der unbändige Wille, sich stetig zu verbessern, treiben ihn an.

Für ihn ist der chinesische KHL-Standort daher eine einmalige Gelegenheit, zum ersten Mal in einem professionellen Umfeld zu arbeiten. Und er ist fest entschlossen, seine Chance zu nutzen. Auf der offiziellen Webseite des Klubs verrät er die Geschichte hinter seiner Rückennummer 32 wie ein asiatischer Lehrmeister: „Es gibt 31 Tage im Monat und ich muss 32 Tage Mühe aufwenden.“

Es ist leicht, seinen Worten zu glauben. Sun Zehao, Spitzname Sunny, arbeitet täglich bis zur absoluten Erschöpfung. Er gilt als besonders fleißig und weiß, dass es noch viel zu verbessern gibt. Spielpraxis ist daher das höchste Gut, doch Kunlun steckt mittendrin im Playoff-Kampf: Mehr als die Brotsamen, eine bereits verlorene Partie bis zum Ende zu führen, bleiben für den Goalie nicht übrig. Sun Zehao wird seinen Weg trotzdem weitergehen und auf den nächsten Einsatz hoffen. Das Happy End hat er klar vor Augen.


KHL-Saisonrückschau 2017/2018

 

 
 
 
 
 
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Zehn Jahre KHL: Zehn Jahre Diskussionen über sportliche Richtung, Ziele und die richtige Strategie der multinationalen Liga unter russischer Führung. Mit dem Ende der ersten Dekade beginnt eine neue Zeitrechnung.

Die KHL war auch in der vergangenen Saison die wahrscheinlich einzige Profiliga der Welt, die mehr an andere denkt, als an sich selbst. 2017/18 wurde dies besonders deutlich: Erneut begann die Hauptrunde mitten im Hochsommer, wo sich selbst in Russland nur wenige für Eishockey interessieren. Der frühe Start im August wurde gewählt, um der russischen Nationalmannschaft möglichst ideale Bedingungen für die Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele zu schaffen. Rund um die Spiele selbst pausierte die KHL sogar einen Monat lang – und die einzelnen Standorte blieben mitten im Winter ohne Eishockey sowie ohne Zuschauereinnahmen.

Bei den zwei reichsten und sportlich schlagkräftigsten Klubs CSKA Moskau und SKA St. Petersburg, die sich die besten russischen Akteure nach Belieben aufteilen, weilte während der langen Olympiapause dagegen fast das gesamte Team inklusive der Trainer bei der Sbornaja. Nicht auszudenken, was in Russland passiert wäre, wenn Nikita Gusev im Finale nicht kurz vor Schluss den Ausgleich gegen Deutschland erzielt hätte und Kirill Kaprizov in der Verlängerung Russland schließlich zum lang ersehnten Olympiagold geschossen hätte. Doch auch mit dem Titel für die Nationalmannschaft wird diese Spielzeit eine Zäsur darstellen. Und das liegt nicht daran, dass den beiden Basisklubs der Sbornaja in den anschließenden Playoffs die Luft ausging.
Das Geld Fehlt und gleichzeitig ist zu viel Geld vorhanden

Mit fortschreitender Spielzeit wurde deutlich, dass wirtschaftliche Aspekte selbst in der KHL mehr und mehr Einzug in die Entscheidungen halten. Russland kann und will sich eine so stark subventionierte Eishockeyliga nicht mehr in der bekannten Form leisten. Denn alle Standorte der KHL sind komplett abhängig von den Zahlungen großer russischer Staatskonzerne. Auf eigenen Beinen stehen kann kein Team. Zum Start der Saison flog mit Metallurg Novokuznetsk eine besonders erfolgreiche Nachwuchsschmiede aus der Liga, weil das Geld nicht mehr für viele gleichzeitig reicht, sondern an einigen Stellen, vor allem in Moskau und St. Petersburg konzentriert wird. Sportlich vermisst wurde das Dauerschlusslicht nicht, für die Region und die vielen Talente war die Entscheidung jedoch eine Katastrophe. Vielleicht entschädigt die Fans, dass mit Dmitri Orlov einer von ihnen den Stanley Cup gewann und im Sommer in der Stadt präsentieren wird.

Doch die Entscheidung gegen Novokuznetsk war nur der Anfang auf dem schwierigen Weg, die KHL-Standorte auf wirtschaftlich stabilere Beine zustellen. Mitten während der Conference-Finalspiele kassierten zwei weitere russischen Klubs die rote Karte: Für Lada Togliatti und Ugra Khanty-Mansiysk war die abgelaufene Spielzeit die vorerst letzte in der KHL. Im entscheidenden Ranking, das sich aus Faktoren wie sportlicher Erfolg, eventuelle Lohnrückstände, Zuschauerauslastung und TV-Einschaltquoten zusammensetzt, belegten sie abgeschlagen die letzten beiden Plätze. Sportlich schaffte mit Severstal Cherepovets aber zumindest eines der notorischen Kellerkinder eine kleine Sensation: Statt defensiv abwartend zu agieren, traute sich Severstal plötzlich zu, den Gegner aggressiv unter Druck zu setzen und so das Tempo selbst zu bestimmen. Hinzu kamen starke Leistungen von Stürmer Dmitri Kagarlitsky, der das Team bis in die Playoffs führte.

Von wegen graue Maus lautete auch das Motto in Nizhnekamsk. Hier stand mit Andrei Nazarov der Star hinter der Bande. Das war es dann aber auch fast schon mit erfolgreichen sportlichen Ausrufezeichen der Saison. Enttäuschungen gab es deutlich mehr – besonders bei den Anhängern von Avangard Omsk und Salavat Ufa. Beide Standorte verfügen über eine große Fanbasis, reiche Tradition und viel Geld – und bei beiden Klubs waren die Fehler hausgemacht. Bis zuletzt mussten sie sogar um die Teilnahme an den Playoffs kämpfen. Auch wenn Ufa eine Runde weiter kam, stand am Ende ein erneuter großer Umbruch an. Große Baustellen hinterließ die Runde zudem in Wladiwostok. Hier reichte das Geld nicht einmal bis zu Olympiapause – bereits zur Trade-Deadline wurden fast alle Leistungsträger verkauft.

Negativ bemerkbar machte sich zudem der große Aderlass in Richtung NHL: Gleich 18 Spieler verließen vor der Spielzeit die Liga, um in Nordamerika ihr Glück zu versuchen. Auch wenn einige scheiterten und zwischenzeitlich zurückkehrten, sank das sportliche Niveau der KHL insgesamt im zweiten Jahr in Folge.

So war es am Ende keine Überraschung, dass sich Ak Bars Kazan den Titel sicherte. Kein einziger Akteur der Mannschaft war für die Sbornaja bei Olympia nominiert, die Pause wurde zur idealen Vorbereitung genutzt. Kazan lebte davon, das Spiel des Gegners zu zerstören, defensiv perfekt zu stehen und blitzschnell zu kontern. Mit genau der gleichen Taktik holte die Mannschaft bereits in den ersten beiden Spielzeiten der KHL-Geschichte den Titel und schloss damit auch sportlich den Kreis der ersten Dekade.

Doch auch die schönsten Jubelbilder des Gagarin Cup-Champions können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Saison sportlich wie wirtschaftlich ein klarer Rückschritt für die KHL war. Auch die Verantwortlichen scheinen langsam zu erkennen, dass nur eine strenge Gehaltsobergrenze die große Schere zwischen Reich und Arm beenden kann. Erst, wenn ligaweit wirklich ähnliche Voraussetzungen für alle Teams herrschen, kann die Kehrtwende gelingen, die Langeweile aus der Liga weichen und die sportliche Attraktivität wieder steigen.

Wertvollster Spieler: Nikita Gusev (SKA St. Petersburg)
Bester Goalie: Pavel Francouz (Traktor Chelyabinsk)
Bester Verteidiger: Philip Larsen (Salavat Yulaev Ufa)
Bester Stürmer: Ilja Kovalchuk (SKA St. Petersburg)
Bester Rookie: Vitaly Kravtsov (Traktor Chelyabinsk)
Bester Trainer: Zinetula Bilyaletdinov (Ak Bars Kazan)