Felix Schütz im Interview

Felix Schütz ist ein Pionier. Als erster Deutscher ohne russischen Hintergrund wagt der Nationalstürmer den Sprung nach Russland. Spielen wird er in der KHL weder in in den westlichen Metropolen Moskau oder St. Petersburg: Russlands östlichste Großstadt Wladiwostok am Pazifik ist ab sofort sein neues zu Hause. Warum sich Schütz für diesen Wechsel entschieden hat, mit welchen Erwartungen er sein Abenteuer beginnt und welche Rolle dabei die Stürmerlegende Alexander Mogilny spielt, verrät er im Gespräch mit Daniel Keienburg.

Die Eishockeywelt ist eine kleine und die haben Sie mit Ihrer Entscheidung ziemlich in Aufruhr versetzt – inklusive negativer Bewertung. Ist es wirklich nur das Geld, das einen deutschen Nationalspieler von Köln nach Wladiwostok zieht?

Schütz: Nein, es ist ganz sicher nicht nur das. Für mich als Sportler geht es um die große Chance, sich in der KHL durchzusetzen. Bei einem Team, das mich als Führungsspieler für die erste oder zweite Reihe einplant. Und um die Erfahrung, in dieser starken Liga spielen zu können. Das Geld war ein Plus, weil man hier einfach mehr verdient als in Deutschland.

Dafür wird aber auch sehr viel Leistung verlangt. Reizt Sie diese Herausforderung?

Schütz: Auf jeden Fall: Ich bin unterwegs, seitdem ich 14-15 bin. Zuerst in Mannheim bei den Jungadlern, dann in Nordamerika und zuletzt in Köln. Die Chance in Wladiwostok ist einfach super interessant. Und während der ungewissen Zeit jetzt im Sommer haben sich viele Spieler bei mir gemeldet, die mir geraten haben, diese Möglichkeit zu nutzen. Das will ich nun tun.

Davor standen aber Wochen des Wartens und harter Verhandlungen. Auf der einen Seite das Angebot aus Wladiwostok, auf der anderen der noch gültige Vertrag in Köln. Wie haben Sie die Situation erlebt und stimmt es, dass Sie die Ablösesumme am Ende selbst bezahlt haben?

Schütz: Dazu möchte ich mich nicht äußern, das Thema ist abgeschlossen. Wenn es um ein Angebot aus der NHL gegangen wäre, hätten sich wahrscheinlich alle für mich gefreut. So lief es eben etwas anders. Aber ich habe durchaus auch Zuspruch erfahren. Am Ende bin ich für die Entscheidungen in meinem Leben ohnehin selbst verantwortlich und muss die Konsequenzen tragen. Positive wie negative.

Verlassen Sie Deutschland im Groll?

Schütz: Auf keinen Fall. Auch Uwe Krupp hat mir viel Erfolg gewünscht. Ich glaube, er versteht meine Entscheidung, auch wenn er am Anfang geschockt war. Für mich war die Zeit in Köln insgesamt eine wunderschöne und ich wünsche dem Klub und dem Team alles Gute.

Jetzt also der mutige Schritt Richtung Russland. Warum haben Sie sich ausgerechnet für Wladiwostok entschieden?

Schütz: Nach der WM haben die Verantwortlichen den direkten Kontakt gesucht, mir von dem Projekt und dem neuen Team berichtet und die Chance eröffnet, als Führungsspieler dabei mitzuwirken. Der Präsident ist Stürmerlegende Alexander Mogilny, der mich persönlich angerufen hat. Natürlich hat das meine Entscheidung stark beeinflusst. Aktuell spiele ich mit den NHL-erfahrenen Niclas Bergfors und Enver Lisin in einer Reihe, mit denen ich mich auch außerhalb des Trainings super verstehe. Ich bin offen Willkommen worden und alles läuft super.

Der erste Kontakt hat also geklappt. Was wissen Sie bisher über Russland und die KHL allgemein sowie Wladiwostok im speziellen?

Schütz: Natürlich ist Russland nicht Deutschland, der Lebensstandard ist ein anderer, aber ich glaube, da hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Wladiwostok soll wunderschön sein, das sagen alle, die schon einmal dort waren. Und nicht typisch russisch, stattdessen ist alles asiatisch geprägt, auch bei uns im Klub. Natürlich liegt die Stadt weit weg von Deutschland und wir werden viel unterwegs sein: Aber anstatt sieben Stunden im Bus, sitze ich in Zukunft sieben oder acht Stunden im Flugzeug. Ich bin sehr gespannt, was mich erwartet.

Müssen Sie sich um viele Dinge persönlich kümmern?

Schütz: Nein. Die Unterstützung ist groß, aktuell organisieren wir ein Visum für meine Freundin, die mich begleiten wird. Froh bin ich, wenn ich im September endlich meine Wohnung beziehen kann, selbst Essen einkaufen und in der Stadt nach schönen Plätzen suchen kann. Aktuell ist es schon sehr anstrengend.

Wahrscheinlich auch wegen des harten Trainingsalltags und Coach Jorttika. Ist er wirklich so ein harter Hund?

Schütz: Zumindest wird er öfter mal laut, meistens aber gegenüber den jungen russischen Spielern. Wirklich perfekt Englisch spricht er auch nicht und da wir Ausländer die Übersetzung ins Russische natürlich nicht verstehen, stellen wir uns bei den Übungen erst einmal hinten an und schauen zu. Insgesamt ist der Trainingsalltag unglaublich intensiv und wirklich sehr hart.

Wo liegt der größte Unterschied zu Ihren bisherigen Teams?

Schütz: Auf jeden Fall ist die Atmosphäre in einem russischen Team ganz anders als bei uns in Deutschland oder in Nordamerika. Es ist einfach eine komplett andere Mentalität. Die meisten Spieler sind sehr leise, wirken fast schüchtern – dafür ist der Trainer umso lauter. Ich denke aber, dass wir uns im Laufe der Zeit finden werden und auch die Russen auftauen. Für mich ist es einfach auch menschlich unglaublich interessant, hier etwas Neues fürs Leben dazuzulernen.

Mit welchen Zielen starten Sie in das große Abenteuer?

Schütz: Auf jeden Fall so viel Erfahrung zu sammeln wie möglich, mich schnell einzuleben und zurechtzufinden. Sportlich möchte ich die Rolle als Führungsspieler in einer der ersten beiden Reihen ausfüllen. Viele Tore, Punkte und die Playoffs mit der Mannschaft: Ich möchte mich in der Liga durchsetzen und dann nach einem Jahr schauen, wie es gelaufen ist. Mir ist bewusst, dass es nicht einfach wird und mir auch einige schwere Stunden bevorstehen. Aber ich freue mich sehr auf die Herausforderung.

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