Valeri Nichushkin: Ein Wunderkind in Wartestellung

Rückschritt oder Fortschritt? Der Wechsel von Valeri Nichushkin aus der NHL zurück in die KHL wirft viele Fragen. Eine Antwort stößt dem Stürmer besonders bitter auf.

Im September unterschrieb der erst 21-jährige Stürmer einen Zweijahresvertrag bei CSKA Moskau. Nach drei schwierigen NHL-Spielzeiten bei den Dallas Stars kehrt Nichushkin also in seine Heimat zurück und wird doch wieder ein Spielball des Business, in dem Geld das Geschäft bestimmt.

Doch bevor wir Licht in das verworrene Dickicht seines Transferdschungels werfen, kurz zum sportlichen Wert des Wechsels: Valeri Nichushkin galt in Russland und der NHL lange als neuer Alex Ovechkin. Er ist groß, ein ausgezeichneter Schlittschuhläufer, verfügt über einen guten Schuss und Spielübersicht. Vielleicht deshalb setzte der Rummel um seine Person schon früh ein und führte zu einigen Fehlentscheidungen. Rückblick: In der Saison 2012/13 überzeugt Nichushkin als Rookie und stellte im Playoff-Run von Traktor Tscheljabinsk selbst Evgeni Kusnetzov in den Schatten. Nachdem klar war, dass Traktor sein Wunderkind im gleichen Sommer in Richtung NHL verlieren würde, transferierte der notorisch klamme Ausbildungsverein die Rechte an Nichushkin gegen Geld zu Dynamo Moskau.

Für den Hauptstadtklub spielte der Stürmer keine Sekunde, das Recht für die KHL behielt Dynamo allerdings und vergoldete es in der vergangenen Woche. Denn nachdem klar wurde, dass Nichushkin seine NHL-Karriere wegen mangelnder Entwicklungsmöglichkeit nicht fortsetzen wird, war Dynamo wieder im Gespräch. Anders als vor drei Jahren sind die finanziellen Möglichkeiten des zweimaligen Gagarin Cup Champions aber aktuell eingeschränkt – daher kam eine Verpflichtung nicht in Frage. Nichushkin selbst wollte unbedingt zurück nach Tscheljabinsk, um dort anzuknüpfen, wo er 2013 abgebrochen hatte. Doch erneut bestimmte nicht er sein Schicksal, sondern das Umfeld. Das Angebot von Traktor an Dynamo für den Rückkauf der Rechte war nicht hoch genug, weshalb der wirtschaftlich gesunde Dauerrivale CSKA Moskau zum Zug kam.

Gegen seinen Willen spielt Nichushkin nun bei einem Cup-Anwärter, bei dem die persönliche Entwicklung eines einzelnen Akteurs keine Rolle spielt. CSKA funktioniert als Kollektiv, erneut muss der Angreifer also um Anerkennung im Team und vor allem Eiszeit kämpfen. Da ihm genau dies in Dallas verwehrt wurde, entschied sich Nichushkin überhaupt für die Rückkehr in die Heimat. Finanziell dürfte sich der Schritt mit der Unterschrift bei CSKA voll auszahlen.

Und sportlich?

Die kommenden Wochen wird Nichushkin brauchen, um überhaupt wieder in Form zu kommen, schließlich agieren die Kollegen bereits seit über einem Monat im Wettkampfmodus und führen aktuell die KHL-Tabelle an. Anschließend liegt es nur an ihm, zu alter Stärke zurückzukehren. Er bringt alle Voraussetzungen mit, Alexander Radulov zu ersetzten und CSKA zum lang ersehnten Titel zu schießen. Sollte ihm das gelingen, würde sein Name auch in der NHL plötzlich wieder mehr wert sein.

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