Aufstand der Kellerkinder

 

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In den vergangen KHL-Jahren fielen im Herbst nicht nur die Blätter von den Bäumen, sondern verloren auch reihenweise Trainer ihren Arbeitsplatz. 2017 dauerte es jedoch bis Ende September, ehe die erste Entlassung feststand – dafür gab es an einem Tag gleich zwei zu vermelden. Doch es gibt auch langjährige Kellerkinder, die mit sportlichen Erfolgen für Schlagzeilen sorgen.

Während SKA St. Petersburg an der Tabellenspitze den eigenen Startrekord weiter verbessert, zogen die beiden Tabellenletzten im Westen und Osten fast zeitgleich die Reißleine: Sowohl Dinamo Riga als auch Yugra Khanty-Mansiysk beurlaubten in der vergangenen Woche ihre Chefrainer. Für Sandis Ozolinsh (Riga) endete der erste Versuch als Coach nach einer Niederlagenserie. Igor Zakharkin (Yugra) dagegen wird nach der erneuten Entlassung wohl sein Karriereende bekanntgeben. Während die Stelle in Riga noch vakant ist und die Verantwortlichen mit Lettlands Nationaltrainer Bob Hartley verhandeln, übernimmt in Yugra Anatoli Emelin. Diese normalen Mechanismen der Liga kaschieren ein wenig die bisher tollen Leitungen vieler gewohnter Kellerkinder. Vor allem zwei Teams überraschen aktuell besonders: Severstal Cherepovets im Westen und Neftekhimik Nizhnekamsk im Osten.

Beides sind Industriestädte ohne politische Lobby, beide erhalten Unterstützung von lokalen Geldgebern, allerdings bei weitem nicht so viel wie die Oligarchenklubs der Staatskonzerne. Für beide Klubs geht es daher in jeder Saison darum, einen eigenen Erfolgsweg zu finden: Bei Severstal steht die Nachwuchsarbeit im Mittelpunkt. NHL-Akteure wie Pavel Buchnevich oder Vadim Shipachyov sind in Cherepovets geboren und aufgewachsen. In der Vergangenheit hatte die Mannschaft eine Dauerkarte für hintere Tabellenplätze. Auch die laufende Runde startete mit Niederlagen. Für den aktuellen Erfolg ist nun eine Taktikänderung verantwortlich. Statt defensiv abwartend zu agieren, traut sich Severstal plötzlich zu, den Gegner aggressiv unter Druck zu setzen und so das Tempo selbst zu bestimmen. Hinzu kommen starke Leistungen von Stürmer Dmitri Kagarlitsky, der im Sommer bei seinem Heimatverein blieb, anstatt zu Topklubs zu wechseln und die viele Eiszeit und Verantwortung mit Scorerpunkten zurückzahlt.

Von wegen graue Maus lautet das Motto auch in Nizhnekamsk. Hier steht mit Andrei Nazarov der Star hinter der Bande. Der lautstarke Coach, der immer wieder mit Eskapaden auffällt, gilt als exzellenter Motivator. Neftekhimik profitiert aber vor allem von starken Leistungen der Importspieler Dan Sexton, Robin Hanzl und Chad Rau, die zusammen in der ersten Reihe stürmen. Für die bisher 29 Punkte aus 15 Spielen ist aber auch Torhüter Ilya Yezhov verantwortlich. Der beschreibt gegenüber khl.ru die Gründe für den Erfolg so: „Wir haben eine Mannschaft mit vielen individuell starken Akteuren, die alle ihre Rolle im Team kennen und genau ihre Aufgabe erledigen.“ Insgesamt arbeitet Nizhnekamsk viel am eigenen Image und investiert in Marketing. Vor Wochenfrist machte der Klub zudem Schlagzeilen mit einem offiziellen Vertragsangebot an Jaromir Jagr via Social Media. Der KHL tut der Aufstand der Kellerkinder gut. Mehr Ausgeglichenheit bedeutet mehr Spannung. Bleibt abzuwarten, wie lange der Höhenflug anhält.

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