Die Joker im Siegesrausch

Viel Grund zur Freude beschert Jokerit Helsinki den heimischem Fans in der 50-jährigen Jubiläumssaison. Sogar den reichsten Klub der KHL brachte das Team bis kurz vor eine Niederlage.

15 Siege in Folge: Mit großem Selbstvertrauen reiste Jokerit am vergangenen Samstag zum Spitzenspiel nach St. Petersburg und überzeugte abermals: mit sehr abgeklärtem Spiel, guter Chancenverwertung und Geradlinigkeit. „Wir hatten den Sieg in unserer Hand, schließlich waren nur noch wenige Minuten zu spielen“, ärgerte sich ein frustierter Jokerit-Coach Jukka Jalonen nach der Partie. Eine Strafzeit kurz vor Schluss nutze der amtierende Gagarin Cup-Champion zum Ausgleich zwei Minuten vor der Schlusssirene. In der Verlängerung sorgte dann Pavel Datsyuk für ein Ende der 15 Spiele andauernden Siegesserie von Helsinki in der KHL. Doch was sind die Gründe für das bisher so souveräne Auftreten des finnischen Teams, das die KHL so dringend nötig hat?

Gelungene Transfers:

Anders als einige russische Oligarchenklubs kann Jokerit das Geld nicht mit vollen Händen ausgeben. Beim Rennen um die besten Spieler der KHL bietet General Manager Jari Kurri daher gar nicht erst mit. Auch die besten einheimischen Akteure außerhalb der NHL kann Jokerit trotz des Standortvorteils nicht in Finnland halten – sie spielen bei der KHL-Konkurrenz von St. Petersburg bis Chabarowsk. Doch als nicht russisches Team darf Jokerit ungebremst Importspieler verpflichten – und diesen Vorteil nutzt Helsinki: Vier Dänen, vier Amerikaner und ein Schwede spielen in dieser Saison für Jokerit.

Keine Superstars:

Der Kader von Jokerit ist sehr ausbalanciert. Manager Jari Kurri hat die Schwachstellen aus der Vorsaison ausgewechselt und gezielt verstärkt. Statt jedem großen Namen hinterherzurennen, wurde das Team nach einzelnen Positionen zusammengestellt. Auch für Supertalent Eelo Tolvanen wurde ein Platz in den ersten zwei Sturmreihen gesucht und der erst 18-jährige Stürmer rechtfertigt das Vertrauen mit tollen Leistungen. In bisher 20 Spielen hat Tolvanen bereits 21 Punkte gesammelt, er ist die bisher positivste Überraschung der Liga. Insgesamt zeigt aber auch ein Blick auf die Scorerliste, wie ausgeglichen die Mannschaft ist.

Druck von der blauen Linie:

Beim typisch finnischem Spielstil mit hohem Tempo und aggressivem Forechecking sind offensiv ausgerichtete Verteidiger besonders gefragt. Genau dafür gab Kurri im Sommer vermutlich am meisten Geld aus, denn Matt Gilroy und Sami Lepistö wurden von KHL-Kokurrenten verpflichtet. Beide überzeugen bisher mit guten Pässen und starkem Auftreten in Überzahl.

Über- und Unterzahlspiel:

Bis zum Topspiel am Samstag stand Jokerit in beiden entscheidenden Disziplinen auf Position 1 und 2 der KHL, das Überzahlspiel ist weiterhin das beste der gesamten Liga.

Doch natürlich gibt es auch bei Jokerit Helsinki Schwachstellen. Die Tiefe des Kaders kann sich weiterhin nicht mit den russischen Topteams messen und da ist noch die Trainerfrage. Schon einmal verkündete Jokerit während der laufenden Runde, dass sich der Chefcoach nach der Spielzeit anderen Aufgaben widmet. Als zukünftiger finnischer Nationaltrainer muss Jukka Jalonen nun seine ganze Autorität in die Waagschale werfen, damit das Team auch bei kommenden Niederlagen auf Kurs bleibt. Dann kann Jokerit den treuen Fans in der 50-jährigen Jubiläumssaison noch viel mehr Gründe zum Feiern bieten.

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