Woche der Wahrheit für Russland

 

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Es ist die Woche der Wahrheit für die Sbornaja. Auch ohne Flagge und Hymne weiß die ganze Welt, dass die Olympischen Athleten aus Russland die Tradition der roten Maschine wieder aufleben lassen wollen. 26 Jahre nach dem letzten Titel bei Olympia zählt für das Team von Oleg Znarok nur die Goldmedaille.

Der Druck und die Kommentare sind die gleichen, die Vorzeichen vor dem Viertelfinale jedoch komplett andere: Vor vier Jahren in Sotschi stand Russland als Gastgeber im Fokus. 2014 forderte eine ganze Nation Siege, fieberte der Goldmedaille vor heimischem Publikum entgegen und musste schließlich schmerzhaft erkennen, dass Anspruch und Wirklichkeit im Eishockey mitunter weit auseinander liegen. Verunsichert, harmlos und zahnlos zeigte die Sbornaja damals ein schwaches Turnier. Vor allem taktisch war das Team den anderen großen Nationen nicht gewachsen. Jetzt, vier Jahre später, ist der größte anzunehmende Unfall bereits passiert. Der Start unter neutraler Flagge wird in Russland noch immer als nationale Beleidigung empfunden. Wut und Enttäuschung haben das Interesse an diesen Winterspielen im Riesenreich schlagartig sinken lassen. Wenn russische Athleten jetzt enttäuschen, wird nicht mehr wie noch in Sotschi ein Füllhorn an Gehässigkeiten über ihnen ausgeschüttet. Vielmehr werden die Niederlagen der besonderen Situation zugeschrieben. Dies gilt auch für die Sbornaja. Natürlich zählt für die Eishockeymänner auch in Südkorea nur Gold, eine Identitätskrise wie noch vor vier Jahren würde eine Niederlage aber wohl nicht mit sich bringen. Sportlich dagegen sind die Voraussetzungen für Russland selten so günstig wie 2018. Denn die Sbornaja profitiert vom NHL-Verzicht wie keine andere Eishockeynation. Oleg Znarok hat zudem ein Team zusammengestellt, dass ganz auf seine Philosophie ausgerichtet ist: Disziplin, harte Arbeit, Konsequenz. Das dritte Vorrundenspiel gegen die USA war dafür ein Paradebeispiel. Während die internationalen Medien immer wieder die beiden Tore von Ilja Kovalchuk zeigten, waren zwei andere Momente viel wichtiger: Ein krachender Check von Edeltechniker Pavel Datsyuk und ein geblockter Schuss im letzten Drittel beim Stand von 4:0, als sich ein russischer Stürmer furchtlos in einen Schlagschuss der Amerikaner warf. Beide Szenen zeigen Mitspielern, Fans, aber auch den Gegnern: Dieses russische Team will unbedingt gewinnen und investiert alles für den Sieg. Aus russischer Sicht war die Niederlage gegen die Slowakei zum Auftakt daher sogar lehrreich. Seitdem sitzt Vadim Shipachyov auf der Tribüne. Stattdessen steht mit Ilja Kablukov ein Center auf dem Eis, der wenig Esprit mitbringt, dafür aber Disziplin, harte Arbeit und Konsequenz. Und Znarok hat mit Datsyuk, Gusev und Kaprisov eine Sturmreihe geformt, die ganz in der Tradition der sowjetischen Eishockeyphilosophie agiert. Vor dem Viertelfinale ist Russland nicht mehr nur auf dem Papier der Hauptfavorit des Turniers, sondern hat diese Stellung mit Leistungen auf dem Eis untermauert. Anders als noch vor vier Jahren kann sich diese Sbornaja auf dem Weg zur Goldmedaille daher eigentlich nur selbst ein Bein stellen.

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