Olympia ohne Russland: Alles nur Fassade?

 

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Keine Flagge, keine Hymne, keine Mannschaft: Russland ist als Nation von den Winterspielen 2018 in Südkorea ausgeschlossen. Das entschied das IOC am 5. Dezember – als Reaktion auf das Dopingprogramm rund um Sotschi 2014. Gleichzeitig soll es sauberen russischen Athleten jedoch möglich sein, unter neutraler Flagge zu starten.

Teilnehmen oder Boykottieren? Für das Olympische Eishockeyturnier der Männer begannen die eigentlichen Fragen erst nach der Verkündung. Nicht nur IIHF-Präsident René Fasel wollte zunächst die Reaktion aus Russland abwarten, die schließlich der Präsident persönlich gab: „Wir werden zweifellos nicht diejenigen blockieren, die teilnehmen wollen“, so Wladimir Putin der Agentur Tass zufolge.

„Absagen heißt aufgeben“

Die Reaktionen auf diese Aussage folgten wie die Wellen, die ein ins Wasser geworfener Stein verursacht: Als erstes begrüßte IOC-Präsident Thomas Bach den Verzicht Russlands auf einen Boykott. Dann äußerten sich die Athleten selbst: „Absagen heißt aufgeben“, sagte Stürmerstar Ilja Kovalchuk gegenüber russischen Medien und positionierte sich eindeutig: „Wir müssen unbedingt zu den Spielen fahren. Ja, sie haben uns unsere Flagge und die Hymne weggenommen, aber nicht unsere Ehre und unser Gewissen.“

Der Favorit wird hinter der neutralen Fassade aufs Eis gehen. „Sie werden auf jeden Fall spielen“, erklärt der in Deutschland bekannte russische Ex-Nationaltorhüter Andrei Trefilov. Am heutigen 12. Dezember sollen die Rahmenbedingungen feststehen, bis dahin ist vieles Spekulation. Denn laut des IOC-Urteils dürfen in Südkorea nur solche russische Sportler teilnehmen, die nachweisen können, dass sie nichts mit dem Dopingprogramm zu tun hatten. Die endgültige Entscheidung trifft die neu geschaffenen Behörde für Doping-Testverfahren ITA, die die Sportler dann auch einlädt.

KHL-Boykott ist vom Tisch

Was bei einzelnen Athleten logisch klingt, scheint fürs Eishockey schwer umzusetzen. Schließlich gibt es keine Olympianorm für die Nominierung. Hinter den Kulissen läuft daher die Kompromissfindung. Klar ist, dass die Verantwortlichen die Sbornaja unbedingt dabei haben wollen. Schließlich ist nach der Absage der NHL-Stars das sportliche Niveau ohnehin verwässert. Andere Top-Nationen stellten sich bereits im Vorfeld hinter das russische Team. Nicht zuletzt, weil eine Boykott-Androhung der KHL im Raum stand, im Falle eines Komplettausschlusses, allen Akteuren aus der multinationalen Liga die Freigabe für Olympia zu verweigern.

Dieses Szenario ist nun vom Tisch, spannende Fragen nach dem Trikot und wie stark die ITA dem Trainerteam bei der Kaderzusammenstellung reinreden wird, sind jedoch noch ungeklärt. Auch ob Verbandspräsident Tretjak nach Südkorea reisen darf. Dennoch scheint eine Woche nach dem großen Aufschrei klar, dass der Goldfavorit Nummer eins wohl nur nach außen hin nicht als russische Mannschaft auftreten darf.

Gutes Omen für die Sbornaja?

Trotz der Empörung und empfundenen Erniedrigung wird in Russland daher an 1992 in Albertville erinnert. Damals, beim vorerst letzten Olympiasieg eines Teams aus der ehemaligen Sowjetunion startete die Sbornaja auch unter neutraler Flagge: „Wir haben darüber gar nicht nachgedacht, sondern uns wie auf jedes andere Spiel oder Turnier vorbereitet“, erinnert sich Trefilov. Als Gemeinschaft unabhängiger Staaten gewann das Team ohne Nation am Ende Olympisches Gold.

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