Ilja Kovalchuk – der Superstar wird kaltgestellt

Die erste Playoff-Runde ist bis auf ein Spiel beendet. Doch nicht Ergebnisse bestimmen die Schlagzeilen, sondern eine Personalie. Zugegeben, eine ganz besondere. Ilja Kovalchuk ist suspendiert. Wie lange und warum ist das aktuell bestgehütete Geheimnis der Liga. Ohne ihn gewann St. Petersburg vier Spiele in Serie und trifft in der nächsten Runde auf Dynamo Moskau.

Während SKA mit Kovalchuk in Spiel Eins noch fahrig auftrat, entwickelte die Mannschaft ohne ihn ungekannte Defensivstärken. Wie geht es nun weiter? Längst hat die Affäre politische Ausmaße angenommen. Ex-Coach Slava Bykov reiste als Friedensstifter extra nach St. Petersburg, saß zusammen mit dem Stürmer in einer Loge und erklärte anschließend: „Ich denke, wir müssen einen Kompromiss finden, damit Ilja uns erneut mit starken Auftritten zusammen mit der Mannschaft erfreut.“ Agent Yuri Nikolaev ergänzt: „Ilja hat einen gültigen Vertrag mit SKA und es laufen auch keine Verhandlungen. Jedes Gerede über Detroit oder New Jersey ist unpassend.“

Dennoch: Je länger das Schweigen der Beteiligten andauert, desto größer wird der Druck auf Trainer Zubov. Doch so lange die Mannschaft gewinnt, haben die Verantwortlichen alle Argumente auf ihrer Seite.

 

Lokomotive Jaroslawl: Einfach erfolgreich

Geradlinig, schnörkellos und unspektakulär – mit diesem Spielstil eilt Lokomotive Jaroslawl von Sieg zu Sieg.

Die Sieger schreiben die tollsten Geschichten, auch wenn sie manchmal nicht schön anzuschauen sind. Jaroslawl ist ein perfektes Beispiel dafür. Nach der Flugzeugkatastrophe war es die einzige Möglichkeit, mit Ergebniseishockey wieder Fuß zu fassen. Mittlerweile ist die defensive Ausrichtung das Markenzeichen des Teams. Zusammen mit dem konsequenten Vertrauen in junge Akteure führt sie die Mannschaft bis an die Spitze der gesamten Liga. Unglaubliche 13 Siege in Folge feierte Lokomotive bis vergangenen Sonntag. Anhänger wie Gegner kommen aus dem Staunen nicht heraus. Was ist das Erfolgsrezept von Loko? „Es ist falsch uns vorzuwerfen, dass wir einfach nur passiv spielen“, ärgert sich Trainer Alexei Kudashov und fügt hinzu: „Wir versuchen immer, unser Spiel durchzuziehen, manchmal fällt es spektakulärer aus, manchmal eben weniger.“

Die Aussage von Kudashov ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich agiert Lokomotive wie ein geschultes Raubtier: Mit großem Einsatz lässt jeder Block den Gegner so lange rennen, bis ihm die Kraft ausgeht. Dann schlägt Jaroslawl eiskalt zu: Mit fasst schon beängstigender Kaltschnäuzigkeit nutzt Loko sich bietenden Gelegenheiten – um anschließend die Gegner mit der aufopferungsvollen Defensivarbeit zu zermürben. Wirklich attraktiv sieht das selten aus – den Fans ist es egal. Ihre Mannschaft steht zum ersten Mal seit vielen Jahren plötzlich ganz oben in der Tabelle und hat mit der Spielweise plötzlich sogar Chancen auf den Titel. Eine besondere Schlüsselposition hat bei diesem Auftreten der Torhüter inne. Alexei Murygin ist dabei die Entdeckung der Saison. Der mittlerweile 28-jährige Keeper kam vor der Saison neu ins Team und hat sich mit eindrucksvollen Paraden den Stammplatz erkämpft. Seine Statistiken sind bislang phänomenal: Zwischenzeitlich blieb Murygin sogar 302 Minuten und 11 Sekunden am Stück ohne Gegentor – ein neuer Ligarekord für die KHL.

Für die Verantwortlichen ist das Erfolgsmärchen eine Bestätigung ihrer Aufbauarbeit nach dem tragischen Verlust durch den Flugzeugabsturz. Alle Beteiligten wissen dabei, wie man die Erwartungshaltung bremst und sich trotzdem an den Siegen erfreut.