Gusev zu den Devils: Neun Millionen Dollar für kein einziges NHL-Spiel

Die Hoffnung hat Nikita Gusev den Sommer über nie aufgegeben. In seiner Moskauer Wohnung wartete der russische Flügelstürmer auf eine Entscheidung von jenseits des Atlantiks, die er nicht beeinflussen konnte. Vergangene Woche kam die für ihn erlösende Nachricht. Ohne ein einziges NHL-Spiel in den Knochen, unterschrieb er einen Zwei-Jahres-Vertrag bei den New Jersey Devils für 9 Millionen Dollar.

Der Weg dahin jedoch war steinig. „Natürlich war ich besorgt, weil ich nicht wusste, in welcher Mannschaft ich spielen werde und die Situation überhaupt nicht kontrollieren konnte“, erklärte Gusev im Gespräch mit dem russischen Sportportal championat.ru. Am Ende zahlte sich seine Geduld aus. Vor allem aber ging der Plan seines Agenten J.P. Barry auf. Zur Erinnerung: Nach dem Ausscheiden von SKA St. Petersburg aus den KHL-Playoffs bat Gusev im Frühjahr um eine vorzeitige Vertragsauflösung des bis Saisonende laufenden KHL-Vertrages. St. Petersburg stimmte unter zwei Bedingungen zu: Die KHL-Rechte des Spielers bleiben bei SKA und Gusev verpflichtet sich, bei der WM in der Slowakei für die Sbornaja aufs Eis zu gehen.

Mit diesem Versprechen unterschrieb Gusev einen Einjahres-Einstiegsvertrag bei den Las Vegas Golden Knights. Der Traum von der NHL wurde real. Doch anstatt für Vegas zur Trumpfkarte in den Playoffs zu werden, durfte Gusev zwar mit dem Team trainieren – zum Einsatz jedoch kam er nicht. Mit dem Saisonschluss endete sein Vertrag und Gusev wurde zum Restricted Free Agent. Damit konnte er sein Gehalt selbst bestimmen. Die Differenz zwischen dem Angebot von Vegas (ca. 2 Millionen Dollar pro Jahr) und Gusevs Forderungen (ca. 4 Millionen) war jedoch zu groß. Das Pokerspiel um seine Zukunft ging in die nächste Runde.

Denn trotz Interesse anderer Klubs ging es für die Golden Knights um den Gegenwert – schließlich gehörten die Rechte am Stürmer Las Vegas. Nach langen Verhandlungen reichten New Jersey am Ende zwei Draft Picks (3. Runde 2020 und 2. Runde 2021) um Gusev zu erhalten. „Wir glauben, dass er ein sehr sehr intelligenter Spieler ist, mit guten Händen. Aber er ist nicht groß gewachsen und ist auch nicht der Schnellste“, ätzte General Manager George McPhee zum Abschied. Eine weise Entscheidung?

Vegas scheute das Risiko, einen russischen Spieler ohne NHL-Erfahrung mit einem hochdotierten Vertrag auszustatten. Wohl wegen der schlechten Erfahrungen mit Vadim Shipachyov. Die Devils dagegen wollten Gusev unbedingt und nun hat der Stürmer die Chance, in einer der beiden Topreihen und mit einem spielstarken Center zu agieren: ideale Voraussetzungen also für den Edeltechniker.

Ob er sich durchsetzt, liegt nun an Gusev selbst. Neben dem harten Sommertraining nimmt er täglich Englischunterricht, um Ende August ideal vorbereitet nach Amerika zu fliegen und seine erste NHL-Saison anzugehen.