KHL All-Star-Spiel: Spektakel mit fadem Beigeschmack

Ein neuer Torrekord, ein neuer bekannter Sponsor und viele strahlende Gesichter. Das All-Star-Wochenende der KHL war ein großer Erfolg für die Veranstalter. Hinter den Kulissen bröckelt die glitzernde Fassade aber angesichts der Wirtschaftskrise in Russland.

Mit dem Handballergebnis von 28:23 gewann die Auswahl der Western Conference gegen ein Team aus dem Osten. Damit steigerten die Akteure das bisher höchste Ergebnis dieser Spaßveranstaltung von 18:16 deutlich – ein Spielberichtsbogen reichte bei dieser Partie nicht mehr aus. Matt Ellison stellte mit sieben Toren zudem einen neuen persönlichen Bestwert für einen Teilnehmer auf. Neben dem Spiel gab es auch in der vorangegangenen Master-Show wieder viele spektakuläre Momente. So trat Linus Omark z.B. mit einer brennenden Kelle zum Penalty an.

Besonders wichtig für die KHL war aber ein neuer Sponsor, der während des All-Star-Spieles in Moskau bekanntgegeben wurde: In Zukunft unterstützt Coca Cola die Liga – nach Mastercard der zweite international bekannte Konzern. Das waren dann aber auch die guten Nachrichten aus Russlands Hauptstadt.

Denn die durch den niedrigen Ölpreis ausgelöste Wirtschaftskrise im Land wirkt sich immer stärker auf den Sport aus. So verkündete der Boss der Spielergewerkschaft Kovalenko voller Stolz, dass mit Sibir und Admiral zwei Klubs nun endlich ihre Schulden gegenüber den Spielern beglichen haben. Dabei bezog er sich jedoch auf die Vorsaison. Für die laufende Runde gibt es offenbar gleich bei mehreren Klubs zum Teil große Rückstände bei den Gehaltszahlungen. Gleichzeitig verdienen ausländische Stars der Liga durch die Rubelabwertung umgerechnet rund die Hälfte weniger, als beim Vertragsabschluss.

Für den Sommer erwarten Experten daher eine weitere Abwanderungswelle in Richtung Nordamerika. Ob es wirklich dazu kommt, werden die kommenden Monate zeigen. Für die Teilnehmer des All-Star-Spiels begann bereits am Montag wieder der Ernst des Lebens, wenn der Kampf um die letzten Playoff-Plätze in die entscheidende Phase geht.

Mit Ausgeglichenheit gegen die Finanzprobleme

Die Scherben der Vergangenheit sind gefährlich. Groß ist die Gefahr, sich immer wieder daran zu verletzen, bis sie aufgekehrt sind. Die Scherben der KHL sind die großen Finanzprobleme an einigen Standorten. Im Zuge der Wirtschaftskrise sind diesen Klubs wichtige Einnahmen weggebrochen. Noch immer warten Spieler auf ausstehende Gehälter aus der Vorsaison.

Zum 1. November verbot die Ligazentrale den vier Klubs Admiral, Medvescsak, Sibir und Slovan daher, neue Spieler zu verpflichten bis diese Schulden bezahlt sind. Sibir und Admiral gelang dies, beide Organisationen sind seit 23. November von der Liste gestrichen. Bei den EU-Klubs aus Zagreb und Bratislava geht das Warten weiter. Und wie die finanzielle Situation in dieser Spielzeit aussieht, erfährt die Öffentlichkeit wahrscheinlich erst nach der Saison.

Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb ist die sportliche Ausgeglichenheit aktuell so groß wie noch nie. Mit Bratislava und Medvescak kämpfen zwei Schuldenklubs in der stärkeren Western Conference sogar um die Playoffs. Auch im Osten offenbart die Tabelle, wie eng die Teams mittlerweile aneinander gerückt sind: So hat der erstplatzierte Novosibirsk nur zwei Siege nach regulärer Spielzeit mehr auf dem Konto als der Tabellenzehnte Barys. Jeder Punkt ist entscheidend.

Ein Jahr seit der Amtsübernahme von Liga-Präsident Dmitry Chernyshenko sieht er die KHL auf einem guten Weg: „Die Liga entwickelt sich und geht stärker auf die Bedürfnisse der Klubs ein“, so Chernyshenko gegenüber der R-Sport. So hat die KHL über 500 Änderungen ins Reglement aufgenommen, die von den Vereinen initiiert wurden. Die Sorgen und Nöte gerade kleiner Standorte werden berücksichtigt. Und auch für die Geldsorgen fühlt sich die KHL besser gewappnet. Durch die strengeren Kontrollen kann kein Klub mehr eine finanzielle Schieflage lange verstecken.

Gelöst sind die strukturellen Probleme dadurch natürlich nicht. Daher ist es besonders wichtig, dass immer mehr finanzschwache Mannschaften die Tabelle durcheinanderwirbeln und das Modell, Erfolg nicht mit Geld erzwingen zu können, ligaweit Schule macht.