Danis Zaripov rehabilitiert

Es ist ein unerwartetes Ende der Dopinggeschichte von Danis Zaripov. Seine herausragende Karriere als erfolgreichster Akteur der KHL rettete er nicht durch die erwartete Flucht in die NHL, sondern mit einem Überraschungserfolg vor Gericht.

Am 25. Juli wurde Zaripov nach einer positiven Dopingprobe bis zum 22. Mai 2019 gesperrt. Am 21. November verkürzte der Internationale Sportgerichtshof diese Sperre nun auf sechs Monate – seit 23. November ist Zaripov daher wieder spielberechtigt. „Es ist einer der größten Siege meiner Karriere“, bekannte der Stürmer nach der Entscheidung gegenüber der Zeitung Sovietsky Sport. Kurze Zeit später unterschrieb Zaripov wie schon in der Sommerpause einen Vertrag für zwei Spielzeiten in Kazan und wartet auf sein Saisondebüt. Sein Wechsel in die NHL ist damit vom Tisch.

Der Weg dahin war weit und steinig: Bei Dante, in seiner „Göttlichen Komödie“, steht über dem Tor zur Hölle die Aufschrift: „Lasst, die ihr hier eintretet, alle Hoffnung fahren.“ Danis Zaripov machte genau das Gegenteil, als über ihm die Hölle losbrach. Seit der Urteilsverkündung kämpfte der Stürmer mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, um seine Karriere zu retten. Doch die Vorzeichen standen gegen ihn. Zwar beteuerte Zaripov von Beginn an, nicht gedopt zu haben, doch welcher überführte Sportler sagt das nicht? Hinzu kommt die politische Situation: Seit Jahren beschäftigen sich Anti-Doping-Agenturen, Journalisten und Verbände mit Dopingsündern aus Russland. In den Augen der Öffentlichkeit gilt heute jeder erfolgreiche russische Sportler per se als gedopt. Selbst sein Anwalt Piotr Gluschkov gibt gegenüber russischen Medien zu: „Als mir der Fall übertragen wurde, dachte ich, dass wir keine Chance haben.“

Den Ausschlag für Zaripov gab am Ende die Beharrlichkeit. Denn gesperrt wurde der Stürmer, weil in seiner Probe gleich zwei verbotene Präparate gefunden wurden: Ein leistungssteigerndes in erlaubter Dosis und eins, dass die Einnahme von Dopingmitteln maskieren kann. In mühevoller Kleinarbeit rekapitulierten seine Juristen den Tag seiner Dopingprobe, die im Februar stattfand. Sie waren überzeugt, dass das Maskierungspräparat zufällig in den Organismus kam, denn die Dosis war für eine aktive Einnahme viel zu gering. Um das zu beweisen, überprüften sie sogar das Restaurantessen von Zaripov, sowie alle Nahrungsergänzungsmittel und Getränke, die er zu sich genommen hatte. Insgesamt waren es über 100 Substanzen. Fündig wurden sie an einem russischen Produktionsstandort einer großen Pharma-Firma. Bei Herstellung von Vitamin-C-Präparaten, die Metallurg Magnitogorsk verwendet, konnten Verunreinigungen nachgewiesen werden. Es ist sehr gut möglich, dass die Spuren der verbotenen Substanz auf diesem Weg in seinen Körper gelangten. Für Zaripov zählte einzig das Ergebnis: Denn seinen Juristen gelang es, den IIHF von seiner Unschuld zu überzeugen, der Internationale Sportgerichtshof folgte dieser Einschätzung – mit einer kleinen Einschränkung. Damit keine Folgeklagen entstehen, wurde Zaripov nicht komplett freigesprochen, sondern festgestellt, dass er nicht bewusst gedopt hat, das nachgewiesene Präparat zufällig in seinen Organismus kam und dadurch die Sperre auf ein halbes Jahr reduziert werden konnte. Danis Zaripov ist damit rehabilitiert. Jetzt kann er wieder auf dem Eis für Schlagzeilen sorgen.

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