Goldfavorit mit Hindernissen

 

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Seit vergangener Woche steht nun auch der russische Kader für die Olympischen Winterspiele fest – auch wenn das Team nicht unter der russischen Flagge antreten darf. Noch mehr Aufmerksamkeit als die nominierten Superstars wie Pavel Datsyuk und Ilja Kovalchuk erhalten aktuell jedoch die abgelehnten Sportler: Denn das IOC und die Anti-Dopingbehörde haben doch stärker eingegriffen als erwartet.

Insgesamt fünf Eishockeyprofis verweigerten die Offiziellen die Einladung zu den Spielen: den Verteidigern Anton Belov, Alexei Bereglazov und Mikhail Naumenkov sowie den Stürmern Valeri Nichushkin und Sergei Plotnikov. Und damit kam die Sbornaja noch gut weg – in anderen Sportarten sortierten die Prüfer eine noch deutlich größere Zahl aus.

Vor allem die Willkür erzürnt die russischen Sportler und Fans. Während nach der IOC-Entscheidung vom 5. Dezember kommuniziert wurde, dass alle sauberen Athleten teilnehmen dürfen, hat sich dieses Bild deutlich gewandelt. Denn eine Dopingvergangenheit lässt sich bei den abgelehnten Eishockeycracks ausschließlich bei Anton Belov rekonstruieren, der während der KHL-Playoffs 2012 disqualifiziert wurde.

Bei den anderen vier ist weder ein Dopingvergehen noch eine auffällige Probe bekannt. Noch schlimmer: Die verantwortlichen Stellen lieferten zumindest öffentlich nicht einmal eine Erklärung, warum die Sportler nicht teilnehmen dürfen. Nachdem auch in anderen Sportwarten aus russischer Sicht wahllos Athleten aussortiert wurden, wittern die Sportfreunde endgültig Verrat. Selbst der als sehr russlandkritisch bekannte Igor Larionov nahm kein Blatt vor den Mund: „Die Entscheidung ist absurd! Ich verstehe, wenn neue Argumente oder Beweise bezüglicher einzelner Athleten auftreten, aber das sollte mehr oder minder zivilisiert ablaufen. Jetzt spielt sich vor unseren Augen ein Theater ab. Einzelne Sportler, die von Olympia träumen und sich darauf vorbereitet haben, werden einfach ausgeschlossen. Für mich ist das unverständlich“, so Larionov gegenüber der Sportzeitung championat.ru.

Ob die russische Seite wegen der Eishockeyspieler Einspruch erheben wird, ist noch unklar. Weder das Trainerteam noch der Verband äußerte sich dazu. Vielleicht auch, weil es sich in anderen Sportarten mehr lohnt, zu kämpfen. Denn der russische Kader ist auch ohne die fünf Ausgeschlossenen bärenstark. Vor allem im Sturm gibt es keine andere Mannschaft in Südkorea, die solche ein Qualität aufweisen kann.

Neben Datsyuk und Kovalchuk ist mit Sergei Mozyakin auch der beste KHL-Angreifer der vergangenen Jahre dabei, dazu der erst 20-jährige Kirill Kaprizov – das aktuell vielleicht größte russische Talent. Wie schon beim Channel One Cup kurz vor Weihnachten setzt Trainer Oleg Znarok insgesamt fast ausschließlich auf Akteure von SKA St. Petersburg (15 Spieler, darunter 9 Stürmer) und CSKA Moskau (8 Spieler), mit Torhüter Vasili Koshechkin und Mozyakin (beide Magnitogorsk) finden sich im Team nur zwei Namen, die nicht im Dienst der beiden Armeeklubs stehen.

Der Druck auf die Sbornaja ist riesig. Die Mannschaft soll die empfundene Demütigung der russischen Sportseele lindern und mit überzeugenden Auftritten und der Goldmedaille den Nationalstolz retten.

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