Slovan Bratislava verlässt die KHL

Die Gerüchte gab es schon lange, jetzt herrscht Gewissheit: Slovan Bratislava spielt in der neuen Saison nicht mehr in der KHL, sondern kehrt in die slowakische Tipsport Liga zurück. Und das, obwohl die Ligenführung mehrere Fristen immer weiter verschob, um den Slowaken mehr Zeit zu geben, einen neuen Investor zu finden. Den gab es offensichtlich auch, allerdings war er nicht bereit, die aufgelaufenen Schulden zu übernehmen.

Das Ende von Slovan Bratislava in der KHL ist für die multinationale Liga ein herber Rückschlag. Sieben Spielzeiten lang bereicherte der erfolgreichste und wichtigste slowakische Klub das Teilnehmerfeld. Zweimal gelang Slovan die Playoff-Qualifikation und vor allem in den Anfangsjahren strömten die Zuschauer in die WM-Arena. Doch in der jüngeren Vergangenheit bestimmten sportliche Misserfolge und Zahlungsrückstände die Schlagzeilen.

Die Idee, starke einheimische Akteure zu einem Kern der Nationalmannschaft zu entwickeln, wurde nicht weiter verfolgt. Die slowakische Liga freut sich über die Rückkehr und die vielen Zuschauer. Wie der Klub jedoch bei geringeren Einnahmen die Schulden für die Stadionmiete sowie ausstehende Gehälter bezahlen will, bleibt abzuwarten:

„Es tut mir Leid“, erklärt der letztjährige Mannschaftskapitän Michal Sersen gegenüber dem slowakischen Internetportal sport.sk und fügt hinzu: „Unsere Leistungen in der besten europäischen Liga waren etwas Besonderes, die Konkurrenz sehr stark. Vor allem zu Beginn, als Slovan in die Playoffs kam, waren die Fans begeistert und auch uns hat es Spaß gemacht. Das letzte Jahr jedoch war ein Elend. Daher ist es wahrscheinlich die beste Lösung, die KHL jetzt zu verlassen“, so Sersen.

Der Verteidiger muss es wissen. Er ist der einzige Akteur, der alle sieben Spielzeiten von Slovan in der KHL auf dem Eis stand, davor gewann er mit Bratislava drei Mal die heimische Meisterschaft. Und Sersen spricht aus, was viele Fans in Russland und der Slowakei denken: Slovan hat der KHL gut getan und die Liga dem Verein. Doch spätestens, als das Management beschloss, mit zweitklassigen Importspielern und ausländischen Coaches anzutreten, ging die Rechnung nicht mehr auf. Schon gar nicht wirtschaftlich.

Allein die Schulden bei der Stadt sollen sich auf über eine Million Euro belaufen. Die Spieler warten seit Monaten auf ihre Gehälter. Dass die KHL dennoch viel Geduld mit den Slowaken zeigte, beweist die Bedeutung des Stadt. Denn Slovan ist nach Poprad und Prag bereits der dritte Standort auf dem Territorium der ehemaligen Tschechoslowakei, der sein Glück in der KHL versuchte und scheiterte. Für die KHL ist der Abschied von Slovan daher vor allem ein großer Imageschaden, der den hochtrabenden Expansionsplänen einen Dämpfer versetzt. Denn, wenn das Produkt nicht einmal in einem eishockeyverrückten, osteuropäischen Land funktioniert, wo dann?

In der KHL spielen in der neuen Spielzeit also nur noch 24 Teams, Torpedo Nizhny Novgorod wechselt zurück in die Western Conference. Slovan Bratislava aber wird fehlen.