Kazan: Zurück zu alter Stärke

Dieses Neujahrsfest war ein ganz besonderes für Zinetula Bilyaletdinov: Endlich konnte der russische Übungsleiter das für ihn so unangenehme Jahr 2014 verabschieden, die Schmach der Niederlage in Sotschi, die Kritik an seiner Person. Stattdessen erfreut sich der Trainer wieder ganz an seiner Arbeit bei Ak Bars Kazan.

Zweimal gewann Bilyaletdinov mit Kazan den Gagarin Cup ehe er den Klub eher unfreiwillig als russischer Nationaltrainer verlassen musste. Sein Herz ist trotzdem in der Hauptstadt der Republik Tatarstan geblieben. Es war daher keine Überraschung, als die Verantwortlichen vor der Saison Trainer Valeri Belov wieder ins zweite Glied zurückversetzten und Bilyaletdinov erneut die Verantwortung übertrugen. Bisher gibt ihnen der Erfolg Recht. Mit Abstand führt Kazan die Tabelle im Osten an und präsentiert sich als echter Titelkandidat: Die zweitbeste Verteidigung der gesamten KHL, dazu eine ausgeglichene Offensive. Diszipliniert spielte Ak Bars auch unter Belov, doch erst Bilyaletdinov entfachte wieder die Leidenschaft und schweißte das Team zu einer echten Einheit. Herauszuheben aus dem Kollektiv sind dennoch einzelne Akteure. Denn die Phalanx von Torhüter Anders Nilsson, Verteidiger Ilja Nikulin und Stürmer Justin Azevedo bildet das Rückgrat der starken Mannschaftsleistung. Der aus Prag gekommene Azevedo ist mit bisher 41 Punkten auch Topscorer des Teams und wurde von den Fans zuletzt zum besten Spieler des Monats Dezember gewählt. „Über diese Auszeichnung freue ich mich sehr, denn sie kommt von den Zuschauern. Ich versuche, die Fans auch im laufenden Monat nicht zu enttäuschen und werde mich mit ganzer Kraft in den Dienst der Mannschaft stellen“, so der Stürmer.

Natürlich hat Kazan Schwachstellen, die im Topspiel am vergangenen Samstag gegen Avangard Omsk mit Felix Schütz offensichtlich wurden: Denn die Special Teams funktionieren bisher noch nicht. Den entscheidenden Treffer in Omsk kassierte Ak Bars kurz vor Spielschluss mit einem Mann weniger auf dem Eis. „Das Unterzahlspiel gefällt uns aktuell überhaupt nicht, daran müssen wir weiter hart arbeiten“, so Bilyaletdinov.

Bis zum Beginn der Playoffs wird Kazan auch in diesen Bereichen bestimmt bestens gerüstet sein. Zwar ist der Coach durch die Zeit beim Nationalteam ruhiger und abgeklärter geworden, an seiner akribischen Arbeitsweise hat sich aber nichts geändert. Während Eishockey-Russland die neue Sbornaja unter Oleg Znarok bejubelt, möchte Bilyaletdinov sich im Frühjahr mit dem Gagarin Cup rehabilitieren. Die Voraussetzungen dafür scheinen zu stimmen.

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